Kuba

Einreise in Kuba – immer ein Abenteuer

Ich habe es wirklich getan und bin ein vorerst wirklich letztes Mal nach Kuba geflogen. Auch diese Einreise enttäuscht nicht. Nach den bisher schlimmsten Turbulenzen beim Anflug – es gab Aufschreie im Flugzeug, dafür war das Essen besser – laufen wir zwanzig Meter über das Rollfeld und erreichen die leere Immigration. Nach zwei Minuten stehe ich am Schalter – schneller kann es nicht gehen, freue ich mich. Nur dieses Mal nimmt sich die Bearbeiterin besonders viel Zeit und will nicht nur wissen, ob ich in den letzten 30 Tagen in Afrika war oder mit Afrikanern Kontakt hatte sondern sie erfragt, wo ich herkomme, wie lange ich dort war, sie notiert die Adresse des Casas in dem ich übernachte, will Auskunft über meine Pläne, ob ich allein unterwegs bin, was ich arbeite und mir wird mit jeder Frage etwas unwohler. Ist es auffälliges Reiseverhalten, wenn jemand innerhalb von 5 Monaten 4 Mal einreist? Dann muss ich ein Stück zurücktreten, sie macht das obligatorische Foto und ich bin herzlich willkommen.

Haben Sie Paludy?

Natürlich gibt es dieses Mal wieder den Scan des Handgepäcks und den „Krankheitszettel“ zum Ankreuzen:

Fieber?

Ausschlag?

Übergeben?

Atemwegsprobleme?

Anzeichen von Dengue?

Anzeichen von ‚’paludy’ – keine Ahnung, was das ist – trotzdem nein ankreuzen. Auch hier wollen sie die Adresse, die Telefonnummer und eine Unterschrift zur wahrheitsgemäßen Angabe der Informationen. Anschließend wird kontrolliert, ob jedes Feld ausgefüllt ist.

Gepäckband kaputt

Dann läuft tatsächlich das Gepäckband an. Es fehlt nur die Wärmebildkamera, die letztens in Havanna zur Erkennung von Fieber eingesetzt wurde.

Ein paar Minuten später bleibt das Band stehen ohne dass ein einziger Koffer zu sehen ist. Wir warten und ich bete, dass es bitte bitte bitte nicht 3 Stunden dauert, wie bei der ersten Einreise.

Auch in Santiago am Flughafen tragen die Mitarbeiter des Zolls die khakifarbenen Uniformen, bei der die Frauen mit superknappen Miniröcken ausgestattet sind und diese mit sexy Netzstrumpfhosen in Szene setzen.

Während wir weiter warten, kommt ein höherer Zollbeamter auf mich zu und fragt nach meinem Pass. Da ich bereits offiziell willkommen geheißen wurde, wundert mich das und ich frage, warum. Der Mann mit dem etwas fragwürdigen Blick sagt so etwas wie das interessiert ihn, er arbeite ja für den Zoll und beginnt ein Verhör, in dem er eine Frage schnell nach der anderen stellt, was bei mir Irritation und Widerstand gegen das System hervorruft, weil ich einen Teil der Fragen bereits beantwortet habe.

Das Verhör

Wo warst du vorher?

In der Dominikanischen Republik.

In Santo Domingo?

Ja, für eine Nacht.

Wie lange warst du insgesamt dort?

Etwas mehr als vier Wochen.

In Santo Domingo?

Nein, in Cabarete. Surfen. In Santo Domingo nur für eine Nacht.

Welchen Beruf hast Du?

Psychologin.

Wie viel Gepäck hast Du?

Einen Rucksack.

Mit Kleidung?

Ja, alles meine Sachen.

Surfer haben aber sonst mehr Gepäck! Will er mir irgendetwas unterstellen?

Ich leihe das Board aus, Übergepäck ist teuer.

Und was machst Du als Psychologin?

Ich arbeite für ein Unternehmen, Human Resources.

Und wo warst Du bevor du in die Dominikanische Republik gereist bist?

In Guadeloupe. Ich hoffe er fragt nicht als nächstes, wo ich davor war, dann müsste ich ihm mit Kuba antworten.

Rauchst Du? Ich ahne schon, dass er nicht wissen will, ob ich Zigaretten rauche, denn hier wird seit Beginn der Wartezeit ein Drogenhund an den Passagieren vorbeigeführt.

Nein.

In Santo Domingo gibt es ja Drogen.

Ich war nur einen Tag in Santo Domingo.

Ja, ich meine damit das ganze Land. In der Dominikanischen Republik gibt es Drogen.

Ich war dort surfen.

Und wie lange bleibst du hier?

Ca. 10 Tage.

Wie viel Geld hast du dabei? (Jetzt wird es mir wirklich zu bunt. Ich werde die Frage ganz sachlich beantworten…)

Ich habe 20 CUC (ungefähr 20 Euro) dabei. Bevor ich noch die 10 Euro, die 20 Dollar, die 800 mexikanischen Peso, die 500 Norwegischen Kronen und die 2000 Dominikanischen Peso erwähnen kann, fragt er:

Du hast doch bestimmt eine Kreditkarte.

Ja, die habe ich. Aber ich will ihm unter keinen Umständen sagen, was ich dort liegen habe. Überhaupt…man darf in den meisten Ländern bis zu 10.000Dollar einführen. Aber viele Menschen haben deutlich höhere Summen auf ihren Konten im Heimatland, die sie im Ausland abrufen könnten. Das wird nicht eruiert. Ist damit die Information nach den eingeführten Bargeldsummen auf den Einreisezetteln nicht hinfällig? Wie dem auch sei…Der gute Mann mit der seltsamen Ausstrahlung hat keine Lust mehr zu fragen und lässt mich in Ruhe. Ich hätte ihm sonst sagen können, dass die Immigration in Havanna meine Kartennummer hat. Warum diese bei der Visumsverlängerung notiert wurde, ist mir bis heute ein Rätsel.

Diskriminierung?

Nachdem ich wieder allein bin, sehe ich mich um. Ich bin die einzige Nicht-Latina…ist das Diskriminierung?

Das Gepäckband steht weiterhin still. Wir sind der einzige Flug, der in der letzten Zeit angekommen ist. Würde man an anderen Flughäfen die Passagiere auch warten lassen oder könnte man das Gepäck nicht ausnahmsweise reintragen oder die Passagiere bitten es aus dem hinteren Raum zu holen? Während nach und nach Sitzgelegenheiten für uns Wartende herangeholt werden, läuft plötzlich das Gepäckband an, mit meinem Rucksack an dritter Stelle.

Es bleibt auch bei dieser Einreise nach Kuba dabei: No matter the wait, always an adventure.

 

About the author

Anica

Hallo und willkommen auf just-not-enough-time. Ich bin Anica und teile hier meine Reiseerfahrungen und –empfehlungen.
Seit über 15 Jahren backpacke ich durch die Welt und es ist kein Ende in Sicht.
Wenn ich nicht reisen kann, dann probiere ich neue Dinge aus und schreibe darüber.

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  • […] Einen Nachweis zur Krankenversicherung Bei der Einreise ist jeder verpflichtet einen für Kuba gültigen Krankenversicherungsschutz für die vorgesehene Aufenthaltsdauer nachzuweisen. Am besten bittest du deine Krankenversicherung dir ein Schreiben, idealerweise auf spanisch, auszustellen. Auch wenn ich mehrfach in Kuba eingereist bin und nie danach gefragt wurde, würde ich dieses Papier vorsichtshalber mitführen. Denn die Einreise in Kuba birgt immer wieder Überraschungen: Einreise in Kuba – Immer ein Abenteuer. […]

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