Kuba

Zum Cuccuc! Teil II: „Diese Sch… mit dem Geld und ihr Verlauf, reibt mich nur auf…“ Die Sterne

Kubanische Peso
Kubanische Peso

Diese Sch… mit dem Geld und ihr Verlauf, reibt mich nur auf…“ Die Sterne

Was kostet das Leben in Kuba?
Nach Wochen hat mich die Frage nicht losgelassen, wie man mit einem Monatsgehalt von 25 CUC, ungefähr 25 Euro, sein Leben finanzieren kann. Seit mir Diego die Frage stellte, ich die Einkommenshöhe kenne, stehe ich bei jedem Geldabheben mit gemischten Gefühlen vor dem Automaten, weil ich ein Vielfaches eines Monatseinkommens in den Händen halte und es in weniger als einem Monat ausgegeben haben werde, ohne dabei über die Stränge zu schlagen. Allein für eine Übernachtung zahle ich 25 CUC.

Anna, eine Freundin, hat das Gefühl noch deutlicher gespürt. Weil sie nicht wieder und wieder bei Banken anstehen wollte, tauscht sie 1000 € für ihre 4wöchige Reise. Während der Schalterbeamte den Betrag auszahlt, sagt er: „Das ist so viel Geld für uns!“ Anna geht mit einem Knoten im Bauch aus der Bank.

Durchschnittseinkommen

Zwanzig, vielleicht fünfundzwanzig CUC[1] – das ist das Monatseinkommen eines eines Arztes, eines Anwalts. Viele andere verdienen weniger. Ich höre Sätze wie:

„Ich habe 14 CUC im Monat verdient als Elektroingenieur, manchmal zwölf Stunden am Tag gearbeitet, manchmal mit Wochenenddiensten. Davon kann man nicht leben, deswegen habe ich den Job geschmissen. Im Tourismus kann ich das an drei Tagen verdienen.“ Ariel, 24

„Ich habe nach dem Musikstudium als Musiklehrer 12 CUC verdient. Die Arbeit mit den Kindern hat mir Spaß gemacht – aber es ist zu wenig Geld.“ Elian, 25

„Manchmal ist der Kühlschrank leer.“ Diverse

Wie kann also jemand, der vielleicht auch Kinder hat, mit 25 CUC oder weniger einen Monat finanzieren?

Lebenshaltungskosten: Wohnung, Strom und Co.

Viele Kubaner wohnen in Eigenheimen bzw. Eigentumswohnungen oder zahlen eine geringe Miete, gesetzlich maximal 10% des Einkommens.[2] Wasser und Strom belaufen sich monatlich, abhängig von den Personen im Haushalt, auf zwei, drei CUC – knapp 10%. Es bleiben nach Abzügen 20 CUC, 20 Euro.

Gerade in großen Städten wie Havanna ist der Wohnraum knapp, so dass mehrere Generationen in einer Wohnung, einem Haus eng beieinander leben. Großeltern, Eltern, Kinder, Enkelkinder. Teilweise so, dass sich die Eltern mit den Kindern ein Schlafzimmer teilen, nicht nur mit den kleinen Kindern. Der familiäre Zusammenhalt, das Zusammensein, ist nicht nur Nächstenliebe sondern wirtschaftliche Notwendigkeit, Necesidad.

Lebensmittel

Die Regierung subventioniert einige Grundlebensmittel wie Brot, Reis, Bohnen und Eier. Mittels Lebensmittelheften, in denen handschriftlich die Namen der Personen eingetragen, die in einem Haushalt leben, können die Nahrungsmittel abgeholt werden. Monatlich werden pro Person diese Mengen ausgegeben.

  • 5 Eier
  • 500 g Bohnen
  • 2kg Zucker
  • 2,5kg Reis
  • 330g Salz
  • ein Hühnchen
  • 125g Kaffee
  • 250 ml Öl
  • sowie täglich ein Brötchen fürs Frühstück.

Wer Kinder bis zu 7 Jahren hat, erhält Milch – alle anderen müssen Milchpulver kaufen und das weiße Gold anmischen.

Preislich beläuft sich der subventionierte Einkauf auf ungefähr 2 CUC, es bleiben 18.

Um sich satt zu Essen, sagt man mir, reicht es für eine Woche. Dann muss auf dem freien Markt teurer hinzugekauft werden. Ein Hühnchen kostet dann 3,50 CUC. Und! Obst, Getränke, Genussmittel, Beautyprodukte, Kleidung, Handy, Internet und Freizeitaktivitäten müssen von den verbleibenden 18 CUC ebenfalls abgedeckt werden. Geht das? Und falls ja, wie?

Lebensmittelkosten: Milch und Cornflakes für ein halbes Monatsgehalt

Unsubventioniert kostet

ein Brötchen beim Bäcker                        0,05 CUC,

ein Kaffee am Straßenkiosk                     0,05 CUC,

eine Pizza                                                     0,25 CUC,

eine Banane                                                 0,05 CUC.

Klingt nicht so schlecht? Isst man täglich eine Pizza, summiert sich das zu 7,5 CUC – knapp einem Drittel des Gehaltes.

Die Küche in Kuba ist relativ einfach. Reis und Bohnen sind die täglichen Begleiter. Ein abwechslungsreicheres Frühstück mit Cornflakes, die viele Menschen hier nicht kennen, ist ein Luxus. Eine Packung Cornflakes geht für unerschwingliche 9 CUC über den staatlich geführten Ladentisch, ein Liter Milch im Tetrapak für 2,50 CUC!

Die normalen Kleinigkeiten, wie z.B. eine Kola, sind für kubanische Verhältnisse purer Luxus. Ein paar Preisbeispiele gibt es hier:

Lebensmittel CUC
Milch 1 l im Tetrapak 2,5
Marmelade 3
Cornflakes 9
Dose Kola im Supermarkt 0,5
1,5 L Wasser 0,9
Hamburger 1
2 Kugeln Eis 0,04
0,3l Dose Bier im Supermarkt 1
Flasche Havanna Club 5,8
Lokaler Rum 0,8
Beauty
Deo-Roll-On 2
Einwegrasierer (1Stck) 1

 

Um zurück zur Frage zu kommen: Mit 25 CUC, was bereits ein gutes Gehalt ist, kommt man kaum über die Runden. Der Grundbedarf ist knapp abgedeckt aber was, wenn man eine Waschmaschine, einen TV oder Handy kaufen will? Mit normalen Mitteln unmöglich.

Fazit: Das Leben in Kuba ist…

…mit staatlichem Einkommen ein täglicher Kampf, eine tägliche Suche nach einem CUC mehr, der einen riesigen Unterschied macht. Und es erklärt die Anspannung, den latenten Druck, den man im ganzen Land spürt.

Ich frage mich, wie es wäre, wenn das Verhältnis von Einkommen zu Lebenshaltungskosten in Kuba in Deutschland gelten würde. Die überraschenden Zahlen findest du hier.

Und, wie machen es die Kubaner, dass sie trotzdem einen TV haben, die neuesten Handys und sich regelmäßig mit dem Internet verbinden? Hier gibt es die sehr überraschenden und ernüchternden Antworten.

Die weiteren Artikel aus der Serie:

Teil I: Zum CUCCUC…Zwei Währungen in Kuba
Teil III: Bier für 60 Euro. Wenn kubanische Preise in Deutschland gelten würden…
Teil IV: Alles Diebe und professionelle Boy- and Girlfriends. Wie das Leben mit 20 CUC möglich ist….

[1] Quelle: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Kuba/Wirtschaft_node.html Zugriff: 03.März 2016

[2] Krüger, D. (2015): Stefan Loose Reiseführer Kuba. Travel Handbücher. Mair Dumont DE

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Anica

Hallo und willkommen auf just-not-enough-time. Ich bin Anica und teile hier meine Reiseerfahrungen und –empfehlungen.
Seit über 15 Jahren backpacke ich durch die Welt und es ist kein Ende in Sicht.
Wenn ich nicht reisen kann, dann probiere ich neue Dinge aus und schreibe darüber.

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