Kuba Viñales

Es gibt kein Bier auf Hawaii. Und in Viñales auch nicht. Oder: Das erste Lied in 2016 ist…

Silvester 2015.

Zum Abendessen bin ich bei Freunden in deren Casa Particular eingelanden. Zur Feier des Tages haben wir Langostinos ausgewählt, Hummer, den hier jedes Casa im Standardprogramm führt. Gemütlich sitzen wir 18:30 Uhr auf der Veranda in den Schaukelstühlen, die vor jedem der bunten Häuser stehen und sehen den letzten Minuten des magischen Sonnenuntergangs zu, als es dunkel wird und uns die Chefin des Hauses ein kühles Bier, Piña Colada oder einen Mojito serviert.

2015 ist in Europa bereits vorbei, wir haben noch ein paar Stunden bis 2016 beginnt. Ich denke an meine Silvester-Feiergruppe aus dem Vorjahr und bin der Meinung, dass wir es in diesem Jahr „falsch“ machen: Einer in Sri Lanka, ich hier und die anderen in Hamburg…das muss 2016 besser werden!

Silvester bei Kerzenschein?

Dann ist es plötzlich stockduster, nicht nur weil die Sonne untergangen ist, sondern der Strom im gesamten Ort ausfällt. Wie lange das anhält? Silvester in der Dunkelheit? Geht das? Unsere Gastgeberin bleibt tranquila und ist überzeugt, dass die Reparatur zügig von statten geht – was auch immer die Ursache sein mag. Ob jemand Rum über einen Stromkasten verschüttet hat? Oder ist das Netz überlastet, weil heute alle viel Strom für Musik und Feierei brauchen?

Das Stromnetz ist in der Region um Viñales noch im Ausbau. Manche der abgelegeneren Häuser versorgen sich mit Solarstrom und hier und da liegen am Straßenrand Strommasten, die aufgestellt werden müssen. Selbst die Zeitung berichtete vor einigen Tagen von den Fortschritten im Ausbau des Stromnetzes, und das im letzten Jahr mehr Kabel verlegt sowie mehr Strommasten als in den Jahren zuvor zusammen aufgestellt wurden. Ob das wirklich eine kurze Unterbrechung ist?

Rum gibt es immer

Ja, ist es. Nach einer halben Stunde weht ein Raunen durch den Ort – das Licht ist zurück, es kann gefeiert werden, wenn auch in diesem Jahr gemäßigter als sonst. Nach dem Essen setzen wir unseren Abend im Casa de la Cultura fort. Fast jeder Ort hat eine Tanzbar, mit diesem Namen, an dem allabendlich eine Live-Musik-Band zum Salsatanzen aufspielt. Erst gegen 23 Uhr füllt sich die Bar und es tanzen mehr Paare in den Band-Pausen als wenn die Kombo auf der Bühne steht. Verwunderlich ist bei vielen Live-Konzerten, dass das Publikum der Band wenig Applaus spendet und die Band zur Nebensache wird. Nicht ganz so nebensächlich ist die Tatsache, dass wir um 23.19 Uhr erfahren, dass das Bier in der Bar ausverkauft ist, was in Kuba kaum jemanden stören dürfte, so lange es Rum gibt. Ohne zynisch zu klingen ist Rum wahrscheinlich das einzige „Lebensmittel“, das es wirklich immer gibt.

Zu Mitternacht zünden einige Touristen Wunderkerzen an, gute Wünsche für das neue Jahr werden ausgesprochen und dann, dann läuft als erstes Lied des neuen Jahres die kubanische Nationalhymne, direkt gefolgt von einer weiteren kubanischen Hymne von Habana d’ Primera namens „Rosa la Peligrosa“. In Havanna findet derweil eine Wasserschlacht statt, denn zu Neujahr ist es legitim am Haus vorbeilaufende Leute von oben mit Wasser zu beschütten.
Hier, im beschaulichen Viñales wird weiter Salsa getanzt, was sich bei der Vielzahl der tanzenden Paare zu einer internationalen Trittparade entwickelt. Wir bleiben nicht all zu lang. Das Reiseleben ruft, die nächsten Aktivitäten warten und machen mehr Spaß ohne Kater.
Ich ahne da noch nicht, dass ich am 1.1. fünf Hamburger kennenlerne, die einen ähnlich ruhigen Silvesterabend hatten, was dazu führt, dass wir am 1.Januar deutlich besser feiern als zu Silvester. So viel sei gesagt: Es gibt dann wieder Bier und ein kleiner Rum füllt ¾ eines 0,2l Glases. Details behalte ich mir an dieser Stelle vor und sehe das so: In Kuba dauern einige Sachen länger bzw. passieren später. Wir haben uns lediglich dem kubanischen Rhythmus angepasst. A very happy 2016!

About the author

Anica

Hallo und willkommen auf just-not-enough-time. Ich bin Anica und teile hier meine Reiseerfahrungen und –empfehlungen.
Seit über 15 Jahren backpacke ich durch die Welt und es ist kein Ende in Sicht.
Wenn ich nicht reisen kann, dann probiere ich neue Dinge aus und schreibe darüber.

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