Psychologie

Angst auf Reisen. Reiseabbruch ist keine Option!

Angst auf Reise
©pixabay

Was habe ich mir bloß dabei gedacht?

Mein erster langer Auslandsaufenthalt liegt fast 20 Jahre zurück. Damals bin ich für ein Jahr als Au-Pair in die Staaten geflogen. Trotz der Zeit, die inzwischen vergangen ist, erinnere ich mich genau an das Gefühl, dass mich die ersten vier Tage immer mal wieder begleitete. Ich sehe mich heute noch im Hotel in New York stehen, tieftraurig, mit zugeschnürtem Hals, mit Angst- und Einsamkeitsgefühl im Bauch und der Frage: Was habe ich mir bloß dabei gedacht ein Jahr allein hier zu leben?

Angst auf Reisen ist nur temporär

Es bleibt nicht das einzige Mal, dass ich mich zu Anfang einer Reise verloren fühlte. Aber nie habe ich mich dem Gefühl unterworfen und aufgegeben. Angst ist fast immer nur ein temporärer Begleiter und Ablenkung, Abenteuer und neue Freunde sind die beste Medizin. Als ich damals zwei andere Au-Pairs kennenlernte, waren die Gefühle von jetzt auf gleich weg.

Die ersten Tage

So wie es mir vor vielen Jahren ging, geht es vielen, die das erste Mal allein reisen. Meist ist die Angst nach ein paar Stunden, spätestens einigen Tagen, wie weggefegt, auch wenn in der Situation alles ausweglos erscheint und die einzige Lösung die Heimreise ist. Aber langsam, nimm Dir Zeit, bevor Du den Rückflug buchst und Deine Pläne über den Haufen wirfst. Denn:

Angst ist normal

Gerade bei Reisen an exotische Orte reagiert der Körper auf die vielen unbekannten Reize mit Alarmierung – Stichwort: Kulturschock. Evolutionär betrachtet ist Angst eine wichtige Reaktion des Körpers. Durch die Ausschüttung von Hormonen, wird der Körper auf die unbekannte Situation, die als gefährlich wahrgenommenen wird, vorbereitet, in dem

  • sich die Aufmerksamkeit erhöht,
  • die Muskelspannung und der Blutdruck steigen,
  • das Herz schneller schlägt,
  • sich die Atmung ändert und
  • die Muskeln auf einen Einsatz vorbereitet werden.

Frag Dich: Was passiert hier gerade?

Jede körperliche Reaktion, die wir haben, interpretieren wir in einer bestimmten Art und Weise. So kann ein erhöhter Puls auf zu viel Kaffee zurückgeführt werden, auf Verliebtsein oder eben auf Angst.
Um nicht in dem Angstgefühl unterzugehen, stell’ Dir eine Frage – und beantworte sie so konkret und genau wie möglich: Was passiert hier gerade?

Zum Beispiel: Ich habe Angst. Mein Herz rast. Ich kenne hier niemanden. Ich fühle mich allein. Ich weiß grad nicht weiter. Ich erreiche keinen meiner Freunde. Ich bin müde. Ich habe Hunger. Die Abholung vom Flughafen ist nicht da. Die Leute im Ho(s)tel sind komisch. Hier ist es garnicht so, wie ich mir vorgestellt habe.

Wahrscheinlich ist es die Summe der aufgezählten Punkte. Du bist vom langen Flug übermüdet, hast eine Erkältung im Schlepptau, hast seit Stunden nichts gegessen, Dir ist warm und Du kennst noch niemanden an diesem neuen Ort. Das Ergebnis: Angst und Einsamkeit.

Sprich mit jemandem

Aber keine Sorge, das passiert den erfahrensten Reisenden. Und führt manchmal dazu, dass sie ein Hotelzimmer in Nairobi für 2 Tage nicht verlassen (ich rede hier nicht von mir, wirklich) – dafür aber anschließend die Reise ihres Lebens haben.
Also, bevor Du jetzt den Rückflug buchen willst, sprich mit jemanden und schlaf eine Nacht drüber.

Weitere Strategien und Tipps gegen Angst findest Du hier.

About the author

Anica

Hallo und willkommen auf just-not-enough-time. Ich bin Anica und teile hier meine Reiseerfahrungen und –empfehlungen.
Seit über 15 Jahren backpacke ich durch die Welt und es ist kein Ende in Sicht.
Wenn ich nicht reisen kann, dann probiere ich neue Dinge aus und schreibe darüber.

3 Comments

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  • Hallo Anica

    Zwar habe ich nicht mit diesem Problem zu kämpfen, aber ich kenne viele Freunde, die darunter leiden. Das hat zur Folge, dass immer nur zu einem Reiseziel verreist wird, ob wohl da doch noch so viel mehr ist! Habe Deinen Artikel auch auf FB geliked und kommentiert, sodass die ein oder andere Freund/in auch noch von Deinen treffenden Worten profitieren kann!

    Lieber Gruss

    Jenny

  • Liebe Anica,

    schön, dass du dich an ein solches Thema wagst, denn sicher geht es vielen so! Ich kann mich auch noch genau an den Moment erinnern, als ich zum ersten Mal länger ins Ausland gereist bin, um in den USA zur High School zu gehen – ich hatte Angst ohne Ende und heute möchte ich dieses Erlebnis auf keinen Fall missen, denn es hat nicht nur meine Reiselust angestachelt, sondern mich einfach zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Mut zu haben lohnt sich oft und über den eigenen Schatten zu springen macht sich meist bezahlt – die Angst ist dabei ganz normal, doch die Erlebnisse, die dabei entstehen, sind einfach alles wert!

    Danke, dass du deine Gedanken geteilt hast und hoffentlich jederzeit wenig angstvolle Momente auf deinen Reisen! 🙂

    Liebe Grüße
    Anja

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