Mein erstes Mal...

Mein erstes Mal Mediations-App: Ganzkörper-Scan, Motorradfahrer und Verkehrspolizist

Platz im Kopf

Vor ein paar Wochen hat mir eine New Yorkerin eine Meditations-App für Meditation empfohlen. Headspace® heißt sie und allein der Name fasziniert mich. Ich will auch Platz im Kopf und viel mehr möchte ich fähig sein, Gedanken zu steuern – auch wenn es nur meine eigenen sind. Es wäre ausgezeichnet, wenn ich sie in ein Fach legen und zu gegebener Zeit zurückholen könnte – aber das werde ich wohl in Sitzung 1 noch nicht lernen. Oder?

Nachdem ich den Link eine Weile im Postfach habe, fällt er mir vor ein paar Tagen wieder ein, als ich gerade am Pool sitze. Warum nicht die Gunst der Stunde nutzen – zehn Minuten sind auch eine akzeptable Zeit. Gedacht, getan und los geht es.

Routine entwickeln

Andy heißt die männliche Stimme, die die Sitzung anleitet. Bevor die Meditation beginnt, erklärt er, dass es ihm wichtig ist, dass man es täglich macht, möglichst zur selben Zeit, am besten am selben Ort, damit sich eine Routine entwickeln kann. Er empfiehlt als Uhrzeit direkt morgens nach dem Aufstehen. Es ist spät am Nachmittag als ich beginne.

Zehn Minuten mit Andy

Zehn Minuten soll es dauern, das scheint mir realistisch. Andy sagt, ich soll mich bequem hinsetzen, am besten auf einen Stuhl, so dass die Füße auf dem Boden stehen. Zum Glück sieht er nicht, dass ich auf der Sonnenliege am Pool bin. Schneidersitz muss es auch tun, immerhin sitze ich mit geradem aber nicht verkrampftem Rücken aufrecht, dass findet er wiederum gut.

Breathe in, breathe out

Los geht es mit einatmen durch die Nase, ausatmen durch den Mund. Dass lässt er mich ein paar Mal machen, dann kann ich die Augen schließen, etwas später wieder zum normalen Atmen zurückkehren, als ich mich auf die Geräusche um mich herum konzentrieren soll. Heute höre ich den Wind in den Palmen und ein Auto weit in der Ferne. Meine Gedanken schweifen ab und ich frage mich, wieviel Zeit bereits vergangen ist.

Dann soll ich die Aufmerksamkeit wieder auf den Atem lenken und verfolgen, wo die Luft hinströmt, wie sich der Oberkörper beim Atmen hebt und senkt, oder ob es eher im Bauchraum ist. Ist ganz klar weiter oben.

Ganzkörper-Scan mit Motorradfahrer

Im nächsten Schritt soll ich von Kopf bis Zeh scannen, wie sich mein Körper anfühlt. Natürlich ist die Liege nicht bequem zum Sitzen, ist schon etwas durchgehangen, so dass meine Schultern etwas verkrampfen. Noch bevor Andy erklären kann, dass ich nichts ändern soll, bin ich schon dabei meine Schultern zu lockern. Überhaupt lässt er mir so viel Zeit, dass ich mir vorstelle, in meinem Kopf sitzt ein kleiner Motorradfahrer, der ganz schnelle Runden entlang meiner Schädeldecke fährt, und in genau den Kreisbewegungen einmal durch den ganzen Körper rast.

Noch mehr ein- und ausatmen

Dann wird wieder geatmet, dieses Mal mit zählen. Einatmen ist 1, ausatmen ist 2, einatmen 3, ausatmen 4 und so weiter, bis 10 und dann wieder von vorn anfangen. Zwischendurch schweifen meine Gedanken in alle möglichen Richtungen ab, so dass ich nicht mehr weiß, ob ich bei 7 oder 8 bin. Klar ist, dass Ausatmen eine gerade Zahl ist. Ich verzähle mich, mehrfach. Und überhaupt: Wie viel Zeit ist mittlerweile vergangen?

Der Verkehrspolizist

Andy sagt, dass ich die Gedanken zulassen kann, sie aber weiter schicken soll. Dafür habe ich in meinem Kopf jetzt nicht mehr den Motorradfahrer sondern einen Verkehrspolizist, der die Gedanken in Form von Luftballons nach links und rechts weiterschubst. Manche kommen immer wieder zurück.

Danach

Bevor ich mich versehe, sagt Andy, dass ich nun langsam in meinem Tempo zurückkommen kann und allmählich die Augen öffnen soll. Und dann ist es auch schon vorbei. Am Ende bittet er mich zu prüfen, ob ich einen Unterschied feststelle.

Und wirklich, mein Eindruck ist, dass mein Kopf aufgeräumter ist, ich ruhiger bin und eine interessante Erkenntnis, Feststellung, Frage habe ich auch gemacht: Wer sagt eigentlich, dass ich …. sorry – das ist eine Einsicht, die teile ich nicht ; )

Das zweite Mal

Ich nehme mir vor, dass morgen wieder zu machen. Und ich mache es wirklich – wenn auch an einem anderen Ort und zu einer anderen, noch späteren Zeit. Immerhin sitze ich dieses Mal auf einem Stuhl.

P.S. Könnte sein, dass einige Schritte in anderer Reihenfolge waren – ich konnte ja keine Notizen machen. Das hätte Andy nicht gefallen.

Zur App geht es hier.

About the author

Anica

Hallo und willkommen auf just-not-enough-time. Ich bin Anica und teile hier meine Reiseerfahrungen und –empfehlungen.
Seit über 15 Jahren backpacke ich durch die Welt und es ist kein Ende in Sicht.
Wenn ich nicht reisen kann, dann probiere ich neue Dinge aus und schreibe darüber.

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