Internet in Kuba Kuba Reiseziele

Cuba Libre de Wifi: Wi-frei in Kuba.

Mein Leben ohne Internet

Endlich kein Internet. Kein Facebook. Kein Whatsapp. Nix. In Kuba werde ich eine kleine Zeitreise machen, zu den wundervollen alten Autos, den kolonialen Gebäuden, und in die Zeit als Telekommunikation fast ausschließlich per Festnetz erfolgte, sofern vorhanden. Und ich freue mich darauf, ohne Anschluss an den Rest der Welt zu sein, Fokus nur auf das, was hier und jetzt ist.

Trotzdem habe ich bei meinen minimalistischen Reisevorbereitungen als erstes recherchiert, wie die Internetsituation ist. Für Einzelhaushalte sind die Kosten eines Anschlusses monatlich enorm, liegen bei 100Dollar – wobei das staatlich regulierte Einkommen für viele Menschen 20 bis 30 Euro beträgt. Entsprechend hat kaum jemand einen privaten Anschluss.

Die Internetgeschwindigkeit besorgt mich, als jemand erzählt, es dauert eine halbe Stunde um eine Mail zu versenden. Jemand anderes hingegen sagt, wenn man Glück hat, kann man ein Video auf Youtube ansehen. Ich stelle mich auf das extremste ein, lerne dann vor Ort, dass sich seit den Verhandlungen im Dezember 2014 zwischen Obama und Castro insbesondere die Netzgeschwindigkeit erhöht hat.

W-Lan an öffentlichen Plätzen und in Hotels

W-Lan gibt es in einigen großen Hotels und mittlerweile auch Hotspots in Havanna und anderen größeren Städten, von der staatlichen Telefongesellschaft. Free-wifi, W-Lan ohne Kosten, gibt es nicht. Man muss eine Telefonkarte mit Zugangsdaten kaufen, dann in der Stadt die Augen aufhalten nach Plätzen und Straßenecken, an denen Leute mit Handy, Tablet oder Notebook sitzen. Daran erkennt man die Hotspots, an denen man sich einloggen kann. Eine Stunde kostet 1,50 Euro. Das ist fast ein Zehntel des Einkommens eines Arbeiters.

Ich möchte internetfreies Leben, denke ich, zumindest aus der Ferne, in der ich Internetdauernutzer bin.
Letztlich ist es natürlich überhaupt nicht so romantisch abgeschnitten zu sein, wie in meinen Vorstellungen. Ich halte viereinhalb Tage durch, bis zum Freitag der ersten Woche, dem Zeitpunkt, als mir eine Anschrift fehlt, zu der ich unter allen Umständen möchte, die Adresse vom Surfbrettverleih, die aus unerklärlichen Gründen weder in meinen Emails, Downloads oder auf dem gesamten Rechner aufzufinden ist. Aber first things first…

Fünf Tage auf Entzug

Tag 1: Nach der verspäteten Ankunft in Havanna spüre ich gleich die ersten Auswirkungen des eingeschränkten Internetzugangs. Die Inhaberin meiner Unterkunft hat meine Mail nicht erhalten, dass ich verspätet eintreffe, und entsprechend mein Zimmer weitervermietet. „Sie wusste ja nichts,“ sagt sie und im nächsten Moment telefoniert sie in der Nachbarschaft, um mir eine neue Unterkunft zu organisieren. Bei der Besichtigung des dritten Casas sage ich ja.

Später abends, ich sitze mit meiner Mitbewohnerin zusammen, und sie meint, die Westing-Bank sei deutsch. Ich kenne die Bank nicht. Normalerweise würden wir direkt nachprüfen. Hier bleiben wir ahnungslos.

Außerdem habe ich einen Blogpost fertig und werde den wohl so schnell nicht posten können….

Tag 2: Ich wache auf und der Griff geht direkt zum Handy. Wie ist das Wetter heute? Aber da ist nichts. Der Screen ist nur blau, ich muss mich auf den Blick aus dem Fenster verlassen und hoffen, dass es genauso bleibt. Die grüne whatsapp-App zeigt keine neuen Nachrichten, nichts bei Facebook, nichts im Messenger. Ich kann keinen Blick auf die Nachrichten werfen. Heute bleibe ich ahnungslos.

Wider besseren Wissens versuche ich mich später ins W-Lan der Uni einzuloggen, natürlich erfolglos.

Tag 3: Im Halbschlaf überlege ich den Spanischkurs zu wechseln. Für die Suche nach einer Alternative würde ich das Internet nutzen. Geht nicht, zumindest nicht mal eben spontan. Ich weiß nicht, was in der Welt los ist.

Heute ist offline sein nicht schön, nachmittags nervt es richtig. Egal welche Pläne ich schmiede oder was ich vorhabe – überall muss ich in Havanna hingehen, um weitere Informationen zu erhalten oder eine Buchung vorzunehmen.

Ich sehe mir bei Reiseplanungen gern Bilder an – hier muss ich mich auf die wenigen Bilder im Lonely Planet verlassen. Gottseidank habe ich den dabei!

Tag 4: Morgens wieder ein bedauernder Blick aufs Handy. Keine Nachrichten, nix. Wo gibt es die Internetkarten? Meine Abstinenz wird heute enden.

Auf dem Bildschirm des Computers meiner Gastfamilie ist ein Fenster offen und das sieht aus wie der Messenger. Gibt es doch Internet im Haus? Nein, gibt es nicht, es ist kein Wunder geschehen. Es ist ein Netzwerk innerhalb Havannas, das diverse Haushalte verbindet.

Letztlich bin ich den Tag so beschäftigt, dass ich keine Zeit habe, um mich mit der Internetbeschaffung zu befassen. Ich halte weiter durch, bin aber sehr froh, dass die deutsch-spanisch-Übersetzungs-App auf dem Handy offline funktioniert.

Tag 5: Ich will kein Internet, ich brauche Internet! Die Adresse des Surfbrettverleihs habe ich nicht gespeichert, sie ist nicht aufzufinden. Normalerweise eine Information, deren Beschaffung mich zwei Minuten kosten würde. Hier wird sie zu einem kleinen Abenteuer.

Wo gibt es Karten für das Internet?

Es gibt drei Möglichkeiten um Internetkarten zu kaufen: Bei der kubanischen Telefongesellschaft Etecsa für 2 Dollar, in bestimmen Hotels für 4 Dollar oder bei Straßenhändlern für 3 Dollar. Ich entscheide mich für die Straßenhändler, weil mein Mitbewohner sagte, dass es etwas Aufregendes hat, als würde man etwas sehr Nebulöses tun. Die Zwischenhändler machen ein gutes Geschäft – sie ersparen einem das Anstehen und kassieren 1 Dollar Kommission. Ich gehe zu einem der großen Hotels, wo sich die Händler aufhalten. Ich solle mich wie ein suchender Tourist verhalten, sagte Johann, und das tue ich auch. Zuerst versuche ich mein Glück vor dem imposanten Hotel Nacional. Ich sehe keinen Händler. Aber wo ich schon hier bin, sehe ich mir das an. Hier könnte vor 70 Jahren die Zeit stehen geblieben sein, altehrwürdig kolonial erscheint es, insbesondere der Garten, in dem eine frische Brise vom Malecon herüberweht, große bequeme Korbsessel stehen und alles etwas gemächlicher zugeht. Ich freue mich schon jetzt mit meinen Internetkarten gemütlich hier zu sitzen. Zuerst muss ich diese jedoch kaufen.

Also ziehe ich weiter und versuche mein Glück vor dem nächsten großen Hotel, dem Havanna Libre. Ab und zu höre ich „Francesa? Italiana?“ – nie werde ich gefragt, ob ich „Alemana“ bin. Auch beim Havanna Libre bleibe ich erfolglos. Aufgegeben wird nicht, ich drehe eine zweite Runde um das Hotel und siehe da! Zwar entdecke ich weiterhin keinen Verkäufer aber ich lande vor einer Etecsa-Filiale, mit lediglich sechs anstehenden Personen. Ruckzuck sind mir die Händler und das Abenteuer des Illegalen egal. Ich will das Anstehen in Kuba ausprobieren.

Besuch bei ETECSA

Es ist 10:50 als ich mich einreihe, in die rechte Schlange, die vor der Filiale von Etecsa beginnt. Leute unterhalten sich, insbesondere die in der linken Schlange, die für kompliziertere Fragen hergekommen sind, manche stehen seit 6:45 Uhr an, obwohl die Filiale erst 8:30 Uhr öffnet, dafür von Montag bis Sonntag. Da wundert es fast nicht, als eine Frau, möglicherweise vor Erschöpfung, beim Verlassen die Treppe runterfällt.

Nach knapp 25 Minuten und ein paar netten Gesprächen darf ich die Filiale betreten. Der Raum ist klimatisiert, was bei 30 Grad im Schatten eine schöne Abkühlung ist. In einer Ecke hängt ein Flatscreen an der Wand, auf dem Musikvideos laufen, die restliche minimalistische Einrichtung ist aus einem anderen Jahrhundert. Vor jedem der zehn Schalter steht nur eine Person, ausschließlich vor der Tür wird gewartet, so dass ich ohne weiteren Verzug meine Karten kaufen kann, nachdem ich meinen Pass vorlegen muss.

Fünf Minuten später verlasse ich Etecso, mit drei Karten a 1 Stunde. War gar nicht so schlimm sondern eine interessante Erfahrung, und es hat alles geklappt. Allerdings gibt es auch Tage, an denen die Karten ausverkauft sein können und man zu einer weiter entfernten Filiale geschickt wird.

Auf dem Rückweg von Etecsa geistert mir ein Gedanke durch den Kopf. Wann war ich das letzte Mal für mehrere Tage offline?

Vor ein paar Wochen hatte ich das Telefon für sechs, sieben Stunden ausgeschaltet – das kam mir wie eine Ewigkeit vor und ich war stolz auf mein Durchhaltevermögen. Aber wann waren es das letzte Mal drei, vier oder fünf Tage?

Nach längerem Überlegen fällt es mir ein. 2010. Vor 5 Jahren, als ich sechs Tage auf dem Kilimandscharo unterwegs war, wo nun wirklich keine Möglichkeit bestand.

Dann schnell zurück in den schönen Garten des Hotel Nacional und einloggen. Geht aber nicht. Ich versuche Karte 2, geht auch nicht. Sind die kaputt?

„Cornern“ Cuban Style

Sind sie nicht, Hotel Nacional akzeptiert nur Hotel-Karten. Deswegen stehe ich ein paar Minuten später wie viele Andere an einer Straßenecke mit Hotspot, starre auf mein Handy und verschwinde für eine Weile in der Online-Welt. @Laura, das ist wie Cornern, Cornern a lo Cubano, Cuban Style.

Park mit WLan-Nutzern in Havanna
Park mit WLan-Nutzern in Havanna

Schon während ich die Adresse recherchiere, stresst mich das Ablaufen der Zeit. Die Freude über die eingegangenen Nachrichten wird  getrübt, von der Frage, wann ich die Mails beantworten kann.

Als ich mich auslogge war ich über zehn Minuten online! Was in der Welt passiert, weiß ich weiterhin nicht.

Was ich aber weiß ist, dass ich mein Internet sehr mag, und das es mir gefehlt hat. Der schnelle Zugriff auf Informationen, jederzeit an jedem Ort, gerade beim Reisen,  spart viel, viel Zeit – auch wenn das vorm Computer oder am Handy hängen viel Zeit kostet, die man für „nur kurz Mails checken“  vertrödelt,  wenn man fünf Minuten vorher schon nachgesehen hat.

About the author

Anica

Hallo und willkommen auf just-not-enough-time. Ich bin Anica und teile hier meine Reiseerfahrungen und –empfehlungen.
Seit über 15 Jahren backpacke ich durch die Welt und es ist kein Ende in Sicht.
Wenn ich nicht reisen kann, dann probiere ich neue Dinge aus und schreibe darüber.

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